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Einige Textstellen über Shen, den Geist im Buch der Wandlungen
aus der Übersetzung von Richard Wilhelm
Schou Gua Besprechung der Zeichen
Kapitel II § 6 Der Geist ist geheimnisvoll in allen Wesen und wirkt durch sie.
Unter allem, was die Dinge bewegt, gibt es nichts Schnelleres als den Donner. Unter allem, was die Dinge beugt, gibt es nichts Schnelleres als den Wind.
Unter allem, was die Dinge erwärmt, gibt es nichts Austrocknenderes als das Feuer. Unter allem, was die Dinge erfreut, gibt es nichts Erfreulicheres als den See.
Unter allem, was die Dinge feuchtet, gibt es nichts Feuchteres als das Wasser. Unter allem, was die Dinge endet und die Dinge anfängt, gibt es nichts Herrlicheres als das Stillehalten.
Darum: Wasser und Feuer ergänzen einander, Donner und Wind stören einander nicht, Berg und See stehen in Kraftwirkung miteinander: so nur ist Veränderung und Umgestaltung möglich
und können alle Dinge vollendet werden.
Da Dschuan
Die große Abhandlung I. Abteilung, Kapitel IV § 2
Indem man emporblickend mit seiner Hilfe (des I-Ging) die Zeichen am Himmel verständnisvoll betrachtet und niederblickend die Linienzüge der Erde untersucht,
erkennt man die Verhältnisse des Dunkeln und Hellen. Indem man an die Anfänge zurückgeht und die Dinge bis zum Ende verfolgt, erkennt man die Lehren von Geburt und Tod.
Die Vereinigung von Samen (ching) und Kraft (chi ?) wirkt die Dinge; das Entweichen der Seele (hun & p’o ?) bewirkt die Veränderung: daran erkennt man die Zustände der ausgehenden und rückkehrenden Geister.
Kapitel IV § 3 Indem der Mensch dadurch dem Himmel und der Erde ähnlich wird, kommt er nicht in Widerspruch mit ihnen. Seine Weisheit umfasst alle Dinge, und sein Dao ordnet die ganze Welt.
Darum macht er keinen Fehler. Er wirkt allenthalben, aber er lässt sich nirgends hinreißen. Er freut sich des Himmels und kennt das Schicksal. Darum ist er frei von Sorgen.
Er ist zufrieden mit seiner Lage und ist echt in seiner Gütigkeit. Darum vermag er Liebe zu üben.
Kapitel IV § 4 In ihm sind die Formen und Bereiche aller Gestaltungen des Himmels und der Erde,
so dass ihm nichts entgeht. In ihm sind alle Dinge ringsum vollendet, so daß ihrer keines fehlt. Darum kann man durch ihn das Dao von Tag und Nacht durchdringen, so daß man ihn versteht.
Darum ist der Geist an keinen Ort gebunden und das Buch der Wandlungen an keine Gestalt.
Kapitel V § 9 Dasjenige an ihm, was durch das Lichte und Dunkle nicht ermessen werden kann, heißt „der Geist“.
Kapitel IX § 9 Es offenbart das Dao und vergöttlicht die Art und den Wandel.
Darum kann man mit seiner Hilfe allem auf die richtige Weise entgegentreten und mit seiner Hilfe selbst die Götter unterstützen.
Kapitel X § 2 Darum befragt der Edle es, wenn er etwas zu machen oder zu tun hat,
und zwar mit Worten. Jenes nimmt seine Mitteilungen auf wie ein Echo, es gibt nichts Fernes und Nahes, nichts Dunkles und Tiefes für dasselbe: so erfährt er die künftigen Dinge.
Wenn diese Buch nicht das allergeistigste auf Erden wäre, wie könnte es so etwas?
Kapitel X § 4 / 5 / 6 Die Wandlungen haben kein Bewußtsein, keine Handlung,
stille sind sie und bewegen sich nicht. Werden sie aber angeregt, so durchdringen sie alle Verhältnisse unter dem Himmel. Wenn sie nicht das Allergöttlichste auf Erden wären, wie könnten sie so etwas? /
Die Wandlungen sind es, wodurch die Heiligen und Weisen alle Tiefen erreicht und alle Keime erfasst haben. / Nur durch das Tiefe kann man alle Willen auf Erden durchdringen.
Nur durch die Keime kann man alle Sachen auf Erden vollenden. Nur durch das Göttliche kann man ohne Hast eilen und, ohne zu gehen, ans Ziel kommen.
Kapitel XI § 2 Darum ist die Art der Schafgarbenstengel rund und geistig. Die Art der Zeichen ist winkelrecht und weise.
Das Dao der sechs Linien ist wandelnd, um Auskunft zu liefern. Die Heiligen und Weisen haben auf diese Weise ihr Herz gereinigt, sich zurückgezogen und ins Geheimnis verborgen.
Um Heil und Unheil kümmerten sie sich gemeinsam mit den Menschen. Göttlich waren sie, so daß sie die Zukunft kannten; weise waren sie, so daß sie die Vergangenheit bewahrten. Wer ist es, der das alles kann?
Nur die Vernunft und Klarheit der Alten, ihre Erkenntnis und Weisheit, ihre göttliche Kraft ohne Nachlassen.
Anmerkung: die Begriffe „Heilige“, „das Göttliche“, „Vernunft“ müssten
noch anhand der Bedeutung / Übersetzung der Schriftzeichen genauer untersucht werden.
Kapitel XII § 2 / 4 /7 Der Meister (Konfuzius) sprach: “Die Schrift kann die Worte nicht restlos ausdrücken.
Die Worte können die Gedanken nicht restlos ausdrücken.“ Dann kann man also die Gedanken der Heiligen und Weisen nicht sehen?
Der Meister sprach: “Die Heiligen und Weisen stellten die Bilder auf,
um ihre Gedanken restlos auszudrücken, sie stellten Zeichen dar, um Wahr und Falsch restlos auszudrücken. Sie fügten dann noch Urteile bei und konnten so ihre Worte restlos ausdrücken.
Sie schufen Veränderung und Zusammenhang, um den Nutzen restlos darzustellen; sie trieben an, sie setzten in Bewegung, um den Geist restlos darzustellen.“ / Darum: Was oberhalb der Form ist, heißt das Dao, der Weg,
was innerhalb der Form ist, heißt das Ding. / Die Umgestaltung und Zusammenfügung beruht auf den Veränderungen. Der Antrieb und das Gehenmachen beruht auf dem Zusammenhang.
Die Geistigkeit und Klarheit beruht auf dem rechten Mann. Schweigendes Vollenden, wortloses Zutrauen beruht auf tugendvollem Wandel.

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