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Lü Bu We Buch 111. Kapitel 02
Höchste Treue / Dschï Dschung
Höchste Treue widerstrebt dem Ohr und ist dem Herzen zuwider. Wer sonst, als ein weiser Fürst, vermöchte ihre Worte zu hören.
Sie ist etwas, worüber ein weiser Fürst sich freut und wofür ein unwürdiger Fürst Strafen verhängt. Alle Fürsten hassen die Unterdrückung der Schwachen, aber wenn sie sie selbst üben,
was hat dann ihr Haß für einen Wert. Wenn ich z.B. einen Baum habe, dessen Gedeihen ich wünsche, aber wenn jemand ihn täglich begießt,
so hasse ich das und schneide selber seine Wurzeln ab, so werde ich sicher keinen lebendigen Baum behalten. Wenn man aber treue Worte verschmäht, so ist das der Geist, der selber die Wurzeln abschneidet.
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Der König Dschuang von Tschu jagte einst in Yün Mong. Da legte er auf ein Rhinozeros an und traf es. Schen Gung Dsï Pe machte dem König die Beute streitig und nahm sie ihm weg. Der König sprach:
"Was ist er doch roh und unehrerbietig" und gab seinen Knechten den Befehl, ihn hinzurichten. Allein die Räte seiner Umgebung erhoben Einspruch und sagten:
"Dsï Pe ist ein weiser Mann und hat sich im Dienst des Königs hundertfach verdient gemacht. Dies Benehmen hat sicher seinen Grund, dem man nachforschen muß."
Keine drei Monate waren vergangen, da wurde Dsï Pe krank und starb. Der König von Tschu zog in den Krieg und es kam zu einer Schlacht bei Liang Tang,
in der er einen großen Sieg über den Staat Dsin errang. Nach seiner Rückkehr belohnte er diejenigen, die sich Verdienste erworben hatten.
Da trat der jüngere Bruder des Schen Gung Dsï Pe vor den Aufseher und bat um eine Belohnung, indem er sprach:
"Andere haben sich Verdienste erworben im Krieg, mein Bruder hat sich ein Verdienst erworben auf der Jagd." Der König sprach: "Was soll das heißen?" Er erwiderte:
"Mein Bruder hat sich den Namen eines rohen und unehrerbietigen Menschen zugezogen und sich der Todesstrafe schuldig gemacht an der Seite des Königs.
In seinem törichten Herzen dachte er dem König höchste Treue zu beweisen, indem er ihm zu einem langen Leben verhalf. Mein Bruder hat einmal in einem alten Buch gelesen,
daß wer ein Rhinozeros tötet, in den nächsten drei Monaten sterben müsse. Darum fürchtete er für Euer Leben und machte Euch die Beute streitig. So traf ihn die Strafe und er ist gestorben."
Der König befahl, daß man die Bibliothek eröffne und in den alten Schriften nachsehe, und richtig verhielt es sich so. Da belohnte er den Bruder reichlich.
Von der Treue des Schen Gung Dsï Pe kann man sagen, daß sie eine schöne Tat war. Wer eine schöne Tat im Sinn hat, der wird nicht angefeuert dadurch,
daß andere sie kennen und nicht gehemmt dadurch, daß andere sie nicht kennen.

Lü Bu We
Buch 11 Kapitel 02. Die Aufzeichnungen über den mittleren Wintermonat [Höchste Treue / Dschï Dschung]
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