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9-5 Sechs Stufen der Regulierung des Atems
In der Qigong Gesellschaft sind sechs Begriffe gebräuchlich, die zusammen
mit der Regulierung des Atems benutzt werden. Ihnen entsprechen sechs Übungsstufen. Es sind die folgenden Begriffe:
- Zählen (Shu). Zählen bedeutet die Atemzüge zu zählen (Shu Xi).
Zählen ist die erste und grundlegendste Methode den Atem zu regulieren. Beruhigen wir zuerst den Geist und den Atem und folgen den acht Schlüsselpunkten zur Regulierung, die oben erklärt wurden.
Dann fangen wir an, die Atemzüge langsam von eins bis zehn und von zehn bis eins zu zählen. Alternativ können wir auch nur die Ein- oder Ausatmungen zählen. Indem wir uns auf das Zählen konzentrieren,
halten wir unseren Geist davon ab, sich auf die Atmung zu konzentrieren und anzuspannen. Das hilft uns, den Geist in einen Zustand der Meditation
zu führen. Das ähnelt dem Gedanken, vor dem Einschlafen Schafe zu zählen.
- Folgen (Sui). Folgen heißt, dem Atem zu folgen (Sui Xi). Wenn wir den Atem
mit der Zählmethode regulieren können, machen wir mit dieser Methode weiter. Wenn wir ohne Anspannung folgen können, werden sich Geist und Atem verbinden
und eins werden. Mit Geist ist hier der emotionale Geist gemeint, weil er es ist, der unsere Ruhe und unser friedvolles Denken stört. Es heißt: „Xin Xi Xiang Yi“ und bedeutet „Herz (Geist) und Atem (sind)
wechselseitig voneinander abhängig.“ Wenn unser Geist in der Lage ist, dem Atem zu folgen, betritt der Geist einen tieferen meditativen Zustand und die Atmung wird sich weiter verlangsamen. Das Folgen ist eine
wichtige Technik, um Atmung und Geist zu benutzen sich gegenseitig dabei zu helfen, tiefere Stufen der Meditation zu betreten.
- Anhalten (Zhi). Anhalten bedeutet, Gedanken an die Atmung (Zhi Xi)
zu beenden. Ein altehrwürdiger Daoist namens Li Qing-An sagte:
“Den Atem zu regulieren heißt die Atmung zu regulieren, bis (man) aufhört.“ Das heißt, dass korrekte Regulierung bedeutet, dass man nicht bewusst
regulieren muss. Mit anderen Worten, obwohl wir mit dem bewussten Regulieren des Atems anfangen, müssen wir zu dem Punkt kommen, an dem die Regulierung natürlich geschieht und wir nicht mehr darüber nachdenken.
Wenn wir atmen und den Geist auf den Atem konzentrieren, ist es keine echte Regulierung, weil das Qi in den Lungen zum Stillstand kommt. Wenn wir die Stufe der echten Regulierung erreichen, ist keine Regulierung
notwendig, und wir können den Geist gezielt benutzen, um das Qi zu führen. Erinnern wir uns daran, dass dort wo das Yi ist, ist auch das Qi. Wenn das Yi an einer Stelle stoppt, stockt das Qi. Es ist das Yi,
das das Qi führt und es zur Bewegung bringt. Wenn wir deshalb in einem Zustand korrekter Atemregulierung sind, ist der Geist frei. Es gibt keinen Laut, keinen Stillstand, Zeitdruck oder Verzögerung und wir
können ruhig und friedvoll sein. Wenn wir diese Stufe erreichen, haben wir den wirklichen Schlüssel zur Meditation erworben.
- Sehen (Guan). Sehen heißt, den Atem zu fühlen und zu spüren (Guan Xi).
Es wird gewöhnlich auch „Ting Xi“ genannt oder „auf den Atem hören“. Die Wörter schauen und zuhören bedeuten hier nicht wirklich mit den Augen
sehen und mit den Ohren hören. Sie beziehen sich darauf, den Geist zu benutzen, um zu führen und zu spüren, was geschieht. In der Meditation nennt man das
„Nei Shi Fan Ting“, das bedeutet „nach innen sehen und nach innen hören.“ Deshalb wird bei der Qigong Meditation die Aufmerksamkeit nicht auf
irgendetwas außerhalb unseres Körpers gerichtet. Wir benutzen den Geist, um nach innen zu fühlen und zu spüren (sehen und hören). Wenn wir die Stufe der Regulierung des Atems erreicht haben ohne zu regulieren,
st unser Geist frei. Dann sind wir in der Lage, den Geist auf die Bewegung des Qis zu richten und wir können das Qi dahin führen wohin wir wollen. Wir werden in der Lage sein, das Qi zu jeder
Körperzelle zu führen und fühlen den Körper als durchlässig.
- Umkehren (Fan). Fan Xi (Umkehratmung) heißt den Atem zu seiner
natürlichen Weise umzukehren. Das setzt auch voraus, dass wir in
diesem Stadium die Stufe der Regulierung des Atems ohne zu regulieren erreicht haben. Das heißt, wenn wir dieses Stadium beherrschen, haben wir nicht nur den Atem zu seiner natürlichen Atmung zurückgeführt,
sondern auch das Stadium erreicht, wo sich der Atem mit dem Geist zusammentut und sie eins werden. Der Atem spiegelt den Geist wider und der Geist den Atem. Unser Atem ist nun automatisch reguliert und wir
müssen unsere Aufmerksamkeit nicht bewusst darauf richten und der Geist reguliert sich selbst.Regulierung des Geistes setzt voraus, dass wir den Weg (Dao)
verstehen,wie die Natur arbeitet. Unser Geist ist nun frei und kann in einen tiefen meditativen Zustand eintreten, und wir können unter die Oberfläche
der Dinge und Ereignisse sehen und ihre wirkliche Natur verstehen. Der erste Schritt dazu ist, dass wir uns selbst verstehen. Wir müssen die Bedeutung des Lebens verstehen. Atmung ist das Zeichen des
Lebens und die Trennungslinie zwischen Yin und Yang. Wenn wir unseren Atem verstehen, verstehen wir unser Leben. Das schließt unser Verständnis
der Pole von extremem Yin und extremem Yang zur Mitte ein, wo sich alle feinen Abstufungen und Schattierungen der Existenz befinden. Wenn unser Geist in
der Mitte bleiben kann, können wir neutral urteilen und klar sehen. Die beiden Pole von Yin und Yang kehren zu ihrem Ursprung zurück – „Wuji“ (keine Extreme) Natürliche
Atmung lässt unseren Geist sich klären, so dass wir uns selbst betrachten können und unser wirkliches Selbst suchen können. Nur nachdem wir uns selbst verstehen,
können wir die wirkliche Natur oder das wirkliche „Dao“ verstehen. Alles hat seinen Ursprung. Um die wirkliche Natur zu verstehen, müssen wir sie
bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgen. Fan Xi ist der Prozess sich selbst zum Ursprung zurückzuführen. Das ist ein notwendiger Schritt, um „Buddha“
zu werden oder „Erleuchtung“ zu erlangen. Es heißt: „Jian Xing Liao“, was bedeutet, „die Natur zu sehen und sie wirklich zu verstehen.“
Wenn wir diese Stufe erreicht haben, haben wir das Stadium der Regulierung des physischen Körpers überschritten und dürfen uns auf geistige Angelegenheiten konzentrieren.
- Rein (Jing
). „Rein“ bedeutet „reguliert“, man benutzt also bei dieser Methode
die natürliche Atmung, um die Gedanken zu regulieren (Jing Xi), obwohl sich der Begriff auch auf das Stadium bezieht, wenn die Atmung und der Geist eins
werden und der Geist reguliert ist. Wenn wir das wirkliche Selbst und die wirkliche Natur verstehen, die unter den oberflächlichen Erscheinungen liegen,
benutzen wir diese Atmung, um den Geist in einen Zustand zu regulieren, in dem wir frei von Emotionen sind. Nur dann sind wir in der Lage, die höheren Stadien der spirituellen Kultivierung
zu erreichen. Dieser Reinigungsprozess für den emotionalen Geist ist das letzte Stadium des religiösen Qigongs. Um ein Buddha im Buddhismus zu werden,
müssen wir uns von den sieben Emotionen und den sechs Wünschen befreien. Wenn wir dieses Stadium erreicht haben, ist der Körper rein und der Geist
geklärt. Wenn der Geist dieses Stadium erreicht hat, wird es „Jing“ (rein) genannt.
Um dieses Thema abzuschließen und als Anregung, möchte ich gerne Gedichte einführen, die sich auf die Regulierung des Atems beziehen. Wir sollten uns
immer daran erinnern, dass uns Atemübungen Techniken und Strategien liefern, die es uns ermöglichen, den Körper und den Geist in der Qigongpraxis zu regulieren.
Durch die Regulierung des Körpers, des Geistes und der Atmung können wir das Qi regulieren und es harmonisch und natürlich leiten. Qi und Atmung sind
wechselseitig aufeinander bezogen und können nicht getrennt werden. Diesem Gedanken wird in der daoistischen Literatur oft Ausdruck verliehen.
Der Daoist Guan Cheng Zi sagte: “Einmal ausatmen und das Erd-Qi erhebt sich; einmal einatmen und das Himmels-Qi steigt herunter, (bei einem der das
wirkliche Dao erreicht hat) der das wiederholte Atmen am Nabel, dann wird mein wirkliches Qi auf natürliche Weise verbunden.“ Das heißt, dass der Bauch
der Mittelpunkt der Atmung sein sollte, als ob wir durch den Nabel atmen würden. Das Erd-Qi ist die negative (Yin) Energie von den Lungen und das Himmels-Qi ist
die positive (Yang) Energie, die aus der Nahrung und der Luft kommt. Wenn wir mit dem Nabel atmen, können sich diese beiden Qis verbinden und zusammenschließen.
Einige glauben, zu wissen was Qi ist, aber sie wissen es nicht wirklich. Wenn wir einmal die beiden Arten des Qis verbinden, wissen wir was das „wirkliche“
Qi ist und wir werden vielleicht ein „echter“ Mensch, d.h. einer der das Dao erlangt hat. Im daoistischen Buch Chang Dao Zhen Yan (Gesang vom Dao mit wirklichen Worten)
heißt es: „Einmal ausatmen und einatmen, um die Qi Funktionen zu kommunizieren, eine Bewegung, eine Ruhe ist dasselbe wie (die Quelle von) Schöpfung und Vielfalt.“
Der erste Teil dieses Satzes bedeutet wieder, dass das Funktionieren des Qis mit der Atmung verbunden ist. Der zweite Teil besagt, dass jegliche Schöpfung
und Vielfalt aus der Interaktion von Bewegung (Yang) und Ruhe kommen. Huang Ting Jing (Yellow Yard Classic) sagt: „ Atmen wir ursprüngliches Qi,
um nach Unsterblichkeit zu streben.“ Das heißt, wir müssen das ursprüngliche Qi finden und auf dem Wege der korrekten Atmung verstehen, um das Ziel Unsterblichkeit
zu erlangen.Darüber hinaus sagte der Daoist Wu Zhen Ren: „ Benutzen wir nachgeburtliches Atmen, um nach der Atemstelle der wirklichen Person (d.h. den Unsterblichen) zu suchen.“
In diesem Satz ist es klar, dass um nach dem unsterblichen Atemort zu suchen, wir uns auf die Regulierung der nachgeburtlichen oder natürlichen Atmung verlassen müssen und wissen wie es reguliert werden kann.
Durch die Regulierung des nachgeburtlichen Atmens sind wir allmählich in der Lage, den Sitz des Qis (das Dantian) zu lokalisieren und wir können schließlich das
Dantian benutzen, um wie die unsterblichen Daoisten zu atmen. Schließlich heißt es im daoistischen Lied Ling Yuan Da Dao Ge (das große daoistische Lied über den Ursprung des Geistes):
„Die ursprünglichen (ursprüngliches Jing, Qi und Shen) werden innerlich friedvoll transportiert, so dass wir unsterblich werden können;
wenn wir von der äußeren Atmung abhängen, werden wir das Ziel nicht erreichen.“ Aus diesem Lied können wir erkennen, dass die innere Atmung (Atmung im Dantian)
der Schlüssel zur Übung der drei Schätze und zum Erreichen der Unsterblichkeit ist. Wir müssen aber zuerst wissen, wie der äußere Atem korrekt reguliert wird
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