|
*
“chih-kuan” ist ein Ausdruck des Buddhismus, der aus Sanskrit „samadhi” und „vipasyana“ übersetzt wurde.
Das Ta Cheng I Chang (Erklärung der Mahayana-Doktrin), geschrieben von Hui-yüan der Sui-Dynastie (581-618), erklärt es folgendermaßen:
“Chih ist der chinesische Ausdruck für das indische samadhi. Es bedeutet „Konzentration des Geistes“ und sein Verhalten in Übereinstimmung
mit den Bedingungen (shou-hsin chu-yüan), ohne Ablenkung und ohne Bewegung (des Sinnes). Es heißt „gesammelte Aufmerksamkeit, Konzentration, Kontemplation“ (ting),
denn der Geist bleibt ungestört von aller Ablenkung und Bewegung. Kuan ist die chinesische Übersetzung des indischen „vipasyana“ und bedeutet, die Lehren zu unterscheiden und zu erkennen. Vollkommenes “kuan” heißt Weisheit (“hui” = prajna).“
(Oda, Daijiten, S. 697.) “Im T’ein Tai-Buddhismus bedeutet “chih” „aufhören“ und hat eine doppelte Bedeutung:
erstens bedeutet es das Anhalten von ungehörigen, unwesentlichen, ablenkenden Gedanken oder Ideen denen Einhalt zu gebieten sei; zweitens bedeutet “chih”, den flüchtigen Gedanken in Weisheit und Wahrheit hinzulenken
auf das Hier-und-Jetzt, wobei der flüchtige Gedanke angehalten wird. ( Samurai üben sich in der Präsenz und manche Authoren wie Serge King halten dies für ein wichtiges Grundprinzip (Lebe hier und jetzt, denn “
jetzt ist der Augenblick der Macht”.), und empfehlen diverse Übungen, Methoden, etc. wie Atembeobachten
und Carlos Castaneda’s Meister geht soweit, seien Schüler zu lehren : „die Welt anzuhalten“).
“kuan” hat ebenfalls eine doppelte Bedeutung: erstens das Eindringen in “klesa” ( = Anhaftung),
um die Folgen davon zu entkräften, und zweitens einzudringen in die Weisheit des So-Seins. Mit anderen Worten: “chih” und “kuan” bezeichnen den Doppelaspekt ein und derselben Aktivität,
von prajna (Weisheit) , so daß “chih und kuan” unzertrennlich zusammen gehören.“ S. Mo Ho Chih Kuan, Bd. III, von Chih-i (531 bis 97) “kuan” ist übrigens noch das Zeichen Nummer 20 im I-Ging „Die Betrachtung”

“kuan” - I-Ging Zeichen 20
In seiner Einleitung zu „Kreisen des Lichtes, Die Erfahrung der Goldenen Blüte“ schreibt Miyuki

“Der Ausdruck „Kreisen des Lichtes“ wird jedoch oft verbunden mit dem Ausdruck „Spiegeln des Lichtes“ (hui-kuang fan-chao);
beides bezieht sich auf die Methode, das Elixier zu wirken duch meditatives Atmen beim „Sitzen“ nach der Lehre des Inneren Elixieres. …“
“Das Kreisen des Lichtes, …, soll beim „Sitzen“ nach der Methode des Rückläufigen (“ni-fa”) geübt werden. Diese Bezeichnung „Lichtkreislauf“ wird in unserem Text vielfältig angewandelt,
und damit wird die Bedeutung betont, die ihm beim „Sitzen“, bei der Erfahrung des Tao zukommt. In den Titeln von nicht weniger als fünf Kapiteln wird der Ausdruck gebraucht …
Zum besseren Verständnis soll daher vorerst der Begriff des Lichtkreisens erläutert werden:
1. Als Rhythmisierung des Atems
2. Als Meditation beim „Sitzen“
3. Als Stille
4. Als Kontemplation
5. Als „Auge“
6. Als Individuationsprozess
B. Das Kreisen des Lichtes
4. Als Kontemplation (“Chih-Kuan”)
Die Lehre vom Kreisen des Lichtes als Rhythmisierung des Atmens, als „Sitzen“, als Stille scheint eine neue Formulierung für das buddhistische „samadhi“ zu sein; das “chih-kuan”, das wörtlich „aufhören und kontemplieren“ bedeutet,
spielt eine wichtige Rolle im T’ein T’ai-Buddhismus
. So heißt es: “Chih (den streunenden Gedanken Einhalt gebieten) soll gefolgt werden von “kuan”
(Kontemplation und Weisheit), und auf “kuan” muß wieder “chih” folgen. Dies ist nichts anderes als die zweifache Übung von „samadhi“ und „prajna“,
und eben dies ist das Kreisen des Lichtes. Kreisen ist “chih” und Licht ist “kuan”. ”chih” ohne “kuan” ist Kreisen ohne Licht – “kuan” ohne “chih” ist Licht ohne Kreisen.
Darauf habt acht (III: 16) Es wird hier ganz deutlich gesagt: „Kreisen ist chih und Licht ist kuan“ – diese Lehre des Lichtkreisens ist also eine taoistische Formulierung der buddhistischen Lehre von “chih kuan”, der „zwiefachen Übung von samadhi und prajna”,
welches das Herzstück ist in der Lehre des T’ien T’ai-Buddhismus.
mehr über “das Geheimnis der Goldenen Blüte”
*
|